Was geschah in Deutschland 1935 mit den Juden in den Streitkräften?

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Was geschah in Deutschland im Jahr 1935, nachdem die Nürnberger Gesetze in Kraft traten, mit all den deutschen Juden, die in die deutsche Armee eingezogen wurden? In allen Dokumentationen hört man nie etwas davon.


Offensichtlich liegt in der Frage ein schwerwiegender Irrtum vor, nämlich dass von 1919 bis 1935 eine große Zahl von Juden in der deutschen Wehrmacht eingezogen war.

Mit zwei neuen Gesetzen des Programms "Wiedererlangung der Wehrhoheit", "Gesetz zur Wiedereinführung der Wehrpflicht" und "Reichsbürgergesetz" 1935 wurde die Reichswehr parallel zu den Nürnberger Rassegesetzen in die Wehrmacht umgewandelt und die Wehrpflicht wieder eingeführt.

Das bedeutete, dass die insgesamt sehr wenigen Menschen in der Reichswehr, die bis 1935 durch den Vertrag von Versailles auf 115000 Mann beschränkt war, nie dazu bestimmt waren, mit irgendein Juden anwesend.

Am deutlichsten wird die schon seit langem antisemitische Allgemeinheit der Reichswehr ausgegeben ohne Die Nazis ordneten jedoch auf persönliche Initiative Blombergs im Februar 1934 an, alle Männer, die als Juden in der Reichswehr galten, automatisch und unverzüglich unehrenhaft zu entlassen. Zu dieser Zeit betraf dieser proleptive Gehorsam 74 Soldaten.
src: Jürgen Förster: "Complicity or Enanglement? The Wehrmacht, the War and the Holocaust", in: Michael Berenbaum & Abraham Peck (Hrsg): "The Holocaust and History: The Known, the Unknown, the Disputed and the Reexamined", Bloomington: Indian University Press, 1998, p. 268.

Während des Ersten Weltkriegs durften 2000 Juden von „allen Dienstboten“ Offiziere bis zum Rang eines Hauptmanns werden. Während der Reichswehrzeit wurden keine Juden höhere Offiziere. (Penslaw: Juden und das Militär)

Das Merkwürdige ist dann, dass die Nürnberger Gesetze von 1935 den Ausschluss von Juden aus der deutschen Nation und damit aus der Armee vorsahen, aber am Ende dienten 150000 Menschen, die nach diesen Gesetzen irgendwie als "Juden" klassifiziert wurden, im Laufe des Jahres in der Wehrmacht der Krieg (vgl. Rigg). Teils mit gefälschten Papieren, teils mit amtlichen NS-Zulassungen, teils mit deutschem Blutbild, teils als "Mischlinge", teils als "Ehrenarier". Nicht jeder „Mischling“ war laut Gesetz jüdischer Abstammung. Zum Beispiel Helmut Schmidt, der am 18. September 1944 als "Nationalsozialistische Haltung tadelfrei" galt.

Bryan Mark Rigg: "Hitler's Jewish Soldiers: The Untold Story of Nazi Racial Laws and Men of Jewish Descent in the German Military", University Press of Kansas: Lawrence, 2002.

Am bekanntesten ist wohl der Fall Werner Goldberg:

Kurz nach Kriegsbeginn erschien Goldbergs Foto in der Sonntagsausgabe des Berliner Tagesblatts mit der Überschrift "Der ideale deutsche Soldat"; das Foto war vom offiziellen Armeefotografen an die Zeitung verkauft worden. Später wurde es auf Rekrutierungsplakaten verwendet.

1940, nach dem Waffenstillstand mit Frankreich, wurde Goldberg auf Befehl Hitlers vom 8. April 1940 aus der Armee ausgeschlossen, der besagte, dass alle Mischlinge ersten Grades aus dem Militär entlassen werden sollten.

Beachten Sie, dass dieses Dekret nicht buchstabengetreu befolgt wurde und Hitler selbst gerne in Einzelfällen intervenierte, mit unterschiedlichem Ausgang. Manche wurden nach Hause geschickt, manche kämpften bis zum Ende, manche wurden eingesperrt oder in Lager geschickt. "Vierteljuden" blieben in der Regel in der Armee und durften nur Offiziere werden.

Ein anderer Fall wäre Melitta Schenk Gräfin von Stauffenberg. Als erster "Mischling" und erfahrener Pilot, Sie(!) sollte auch entlassen werden. Aber sie beantragte lediglich den Status "Gleichstellung mit arischen Personen", wurde als kriegswichtig beurteilt und erhielt diesen Status 1941.


Wie sich das jüdische Leben in Deutschland nach dem Holocaust entwickelte

Nachdem die Nazis im Holocaust 6 Millionen Juden ermordet hatten, war die Zukunft der verbleibenden jüdischen Gemeinde in Deutschland in Frage gestellt. Während Deutschland 1.700 Jahre jüdischen Lebens feiert, blickt die DW auf die wichtigsten Entwicklungen der Nachkriegszeit zurück.

Die restaurierte Kuppel der Neuen Synagoge in Berlin, in einem Viertel, das vor dem Holocaust ein blühendes Zentrum jüdischen Lebens war, steht heute als markantes Wahrzeichen in der Skyline der Hauptstadt

Mit mehr als 200.000 Einwohnern ist Deutschlands jüdische Gemeinde die einzige in Europa mit einer schnell wachsenden Bevölkerung – eine überraschende Realität angesichts der nahezu vollständigen Vernichtung der Juden innerhalb Deutschlands während des Holocaust.

Die heutige wachsende Zahl ist umso bemerkenswerter, als 1945 die meisten Juden der Welt den Wiederaufbau ihrer zerstörten Gemeinden – auf dem Boden, auf dem Hitler einen Völkermord plante und ausführte – für undenkbar hielten.

Etwa 15.000 deutsche Juden wurden nach dem Krieg von den Alliierten befreit, die meisten von ihnen hatten untergetaucht, andere in Konzentrationslagern überlebt. Viele von denen, die blieben, hatten einen nichtjüdischen Ehepartner oder Elternteil, der sie mit dem Land verband und vielleicht bis zu einem gewissen Grad die Genesung und Integration erleichterte.

Alliierte errichteten Lager für Überlebende, unter anderem auf dem KZ Bergen-Belsen


Die Flucht einer Rothschild-Familie aus Nazi-Deutschland

Diese Geschichte dreht sich um meine Tante Aleece Rothschild, die als deutsche Spionin verdächtigt wurde, ihre Flucht aus dem kriegszerstörten Europa, Gefangennahme auf hoher See und ein sehr glückliches Ende.

Aleece, mein Vater Max und Onkel Fred wurden in Göppingen, einer kleinen Stadt in der Nähe von Stuttgart in Süddeutschland, geboren. Mein Großvater Rudolph hatte im Kaiserkrieg gedient und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Max wurde 1912 geboren, Alice (Aleece) 1915 und Alfred (Fred) 1922.

Max machte 1930 seinen Abschluss als Elektroingenieur und arbeitete, bis ihn die antijüdische Nazi-Politik dazu trieb, außerhalb Deutschlands Arbeit zu suchen. Er arbeitete in Frankreich, aber das Ideal, sich in Palästina niederzulassen, reizte ihn. Er ging dorthin, fand aber keine professionelle Arbeit und verbrachte ein Jahr in einem Kibbuz. Er hatte es satt und kehrte um 1935 zur Familie nach Deutschland zurück. Er fand ein verändertes und feindliches Land vor. Er geriet mit einigen Nazi-Schlägern in Streit und landete in Berlin im Gefängnis. Er wurde jedoch gerettet, als die Familie einen Mann kontaktierte, der ein guter Schulfreund gewesen war, aber jetzt Mitglied der „SS“ war. Da er wusste, dass Max Jude war, tat ihm dieser Freund einen letzten Gefallen: Er konnte Max aus dem Gefängnis holen, unter der Bedingung, dass Max Deutschland endgültig verließ. Dieses Angebot lehnte Max nicht ab.

Max ging dann nach London, wo er dort Zeit mit seiner Familie verbrachte. Der Familiensage nach hatte er eine Affäre mit einer verheirateten Frau, deren Ehemann sie bald herausfand. Mit wahrer „steifer Oberlippe“ machte er kein Aufhebens, sondern besorgte Max ein One-Way-Ticket und ein Visum für einen weit entfernten Ort. Dieser Ort stellte sich als Südafrika heraus und Max nahm wieder ein Angebot ins Ungewisse an. In Südafrika hatte Max verschiedene Jobs und bis 1939 war er der Manager des Commodore Hotels in Johannesburg. Dieser Posten brachte Max in Kontakt mit Esta Austin, der Besitzerin einer lokalen Konditorei, die das Hotel belieferte. Esta wurde später seine Schwiegermutter, als er 1941 ihre Tochter Irene heiratete.

Auch Aleece spürte die Feindseligkeit der Nazis. 1936 verließ sie Deutschland und suchte Arbeit in England. Sie hatte das Glück, einen Job als Gouvernante für die Kinder von Archie Pitt und seiner Ex-Frau Gracie Fields, der beliebten Sängerin, zu bekommen. Aleece wurde bald als Mitglied der Familie behandelt.

Im Sommer 1939 nahm die Familie Pitt Aleece mit in einen Frühsommerurlaub an der italienischen Riviera. Bei ihrer Ankunft an der italienischen Grenze aus Frankreich durfte Aleece nicht in das faschistische Italien einreisen, da ihr Pass mit dem Stempel „Jude“ (Jude) versehen war. Die bewundernswerte Reaktion von Herrn Pitt war, sich umzudrehen und die gesamte Gruppe nach Nizza an der französischen Riviera zu bringen.

Leider erkrankte Aleece während dieses Urlaubs an rheumatischem Fieber, was zu einem monatelangen Krankenhausaufenthalt führte. Am Ende ihres Urlaubs kehrten die Pitts nach England zurück und sagten ihr, sie solle ihnen zurück und zu ihrem Job folgen, wenn sie sich erholt hatte.

Ungefähr zu dieser Zeit hatte sich Max in Johannesburg mit Abe Garsh, einem Freund von Irene, angefreundet. Abe hatte beschlossen, durch Europa zu touren und erfuhr von Aleece von Max, der ihn bat, wenn möglich, seine Schwester zu besuchen, um sich in Frankreich zu erholen.

Nach einer Reise durch England, Italien, die Schweiz und Frankreich verfolgte Abe Aleece durch eine Tante und einen Onkel und erfuhr, dass sie sich jetzt im Krankenhaus in Mont Beron bei Nizza befinde.

Aleeces rheumatischer Zustand hatte sich auf ihre Hüften ausgewirkt und sie war mit einem Bein in einer erhöhten Schiene ans Bett gefesselt. Sie hatte keine Ahnung, dass ein Besucher aus Südafrika auf dem Weg zu ihr war, daher war es eine große Überraschung, als eine Krankenschwester die Tür öffnete, um Abe in ihr Zimmer zu führen. Abe konnte nur Aleeces Gesicht sehen und war sofort von ihrem Aussehen und ihrer sanften Haltung angetan. Abe überreichte Aleece Blumen und Pralinen und sie verbrachten den Nachmittag damit, über Max und das Leben des anderen zu sprechen. Der Nachmittag verging wie im Flug und beide waren enttäuscht, als die Schwester Abe bat zu gehen. Er versprach, am nächsten Tag wiederzukommen und besuchte sie in dieser Woche jeden Tag und brachte immer Geschenke mit. Natürlich musste Abe nach Südafrika zurückkehren und wusste nicht, wie lange Aleece im Krankenhaus bleiben würde. Daher war es eine große Überraschung für Aleece, zumal Abe sie noch nie aus einem Krankenhausbett heraus und stehend gesehen hatte, dass er entschied, dass sie die Frau seines Lebens war. Er machte ihr einen Heiratsantrag und wollte dafür sorgen, dass ein Rabbi ins Krankenhaus kommt, um sie zu heiraten!

Aleece war angenehm überrascht und geschmeichelt und gab zu, dass sie eine Zuneigung zu Abe entwickelt hatte. Sie lehnte jedoch ab und sagte, dass sie ihn wirklich nicht gut genug kenne, um kurzfristig eine so wichtige Entscheidung zu treffen. Noch wichtiger war, dass sie sich ihrer Gesundheit nicht sicher war und ob sie jemals wieder normal gehen würde. Bis zu diesem Zeitpunkt plante sie, zur Familie Pitt nach England zurückzukehren.

Gewisse seiner Gefühle, aber sonst wenig, kehrte Abe nach Johannesburg zurück. In vielen Briefen an Aleece und über Max beharrte er darauf, seinen Anzug zu pressen. Er flehte sie an, nach Südafrika zu kommen, als sie das Krankenhaus verließ. Max versicherte Aleece, dass Abe einen tadellosen Charakter hatte und sehr respektiert wurde und dass sie keine bessere Wahl treffen konnte.

Aleeces Flucht aus Frankreich:

Dann begann die große Flut von Ereignissen, die Europa erfassen sollte - die Alliierten und Deutschland befanden sich im Krieg. Die französische Bevölkerung fühlte sich hinter ihrer großen Armee sicher. Im April 1940 reiste Aleece nach Nancy im Nordosten Frankreichs, wo sie viele Sommerferien verbrachte, das Haus ihrer geliebten Tante Hedwig und ihres Onkels Albert Simon. Da sie keine eigenen Kinder hatten, betrachteten sie Aleece als ihre Tochter.

Im Mai 1940 überfiel Deutschland Frankreich und die französische Armee brach zusammen. Albert und Hedwig ermutigten Aleece, Europa zu verlassen. Es war unmöglich, nach England zu reisen, aber sie sicherten sich eine Fahrkarte für einen portugiesischen Dampfer, der Lissabon ins südliche Afrika verlassen sollte. Abe arrangierte ein Visum für Südafrika. Nachdem alle Papiere in Ordnung waren, fuhren Albert und Hedwig Aleece zur spanischen Grenze bei Hendaye für den Zug nach Lissabon. Dort nehmen sie ihrer verehrten Nichte einen traurigen und ängstlichen Abschied.

An der spanischen und portugiesischen Grenze wurden alle ihre Papiere sorgfältig geprüft, aber Aleece durfte nicht nach Portugal einreisen. Aleece hatte ihre Krankenakte und Röntgenbilder bei sich, aber die Behörden glaubten nicht, dass die Röntgenbilder von ihren Hüften stammten. Sie musste über Nacht in der Grenzstadt bleiben, wo sie bei einem Offizier und seiner Frau blieb, die Mitleid mit ihr hatten. Die „neutralen“ portugiesischen Behörden behielten ihre Krankenakten und Röntgenbilder. Nach einer schlaflosen Nacht erhielt Aleece dann die Erlaubnis, nach Portugal einzureisen – sie hatte ihren Zug bereits verpasst.

Glücklicherweise erreichte sie das Schiff kurz vor seiner Abfahrt. Dieses Schiff, die „Quanza“, bediente die Route zwischen Lissabon und den portugiesischen Kolonien in Afrika (Angola und Mosambik) und Südafrika. Aleece teilte sich eine Kabine und lernte unterwegs ein paar Freunde kennen. Die Reise verlief ereignislos, bis sie South African Waters erreichten.

Aleece wurde mitten in der Nacht durch das plötzliche Stoppen des Motorengeräusches aus ihrem Schlaf gerissen. Die Stille erlaubte ihr auch draußen den heulenden Wind zu hören. Sie hatte ein schlechtes Gefühl. Kurz darauf klopfte es an ihrer Tür und sie wurde in die Kapitänskabine gerufen. Dort fand sie Offiziere der Royal Navy, die sagten: "Im Namen des Königs von England verhaften wir Sie als deutschen Spion."! Aleece war sprachlos.

Sie wurde befohlen, ihre Habseligkeiten zu holen und sie zu dem großen britischen Kriegsschiff in der Nähe zu begleiten. Die stürmischen Bedingungen machten die Fahrt zum Kriegsschiff gefährlich. Als sie auf dem Weg zu den Schienen der Quanza vorbeikam, füllten einige Passagiere ihre Taschen mit Süßigkeiten und Keksen. Andere sahen entsetzt, erstaunt und ungläubig zu. Aleece wurde mit ihrem Gepäck in einen Walfänger versenkt, der sich nur mit Mühe dem britischen Schiff näherte. Das kleine Boot wurde wie ein Korken herumgeschleudert und Aleece wurde seekrank. Als sie sich dem Kriegsschiff näherten, brach eines der Ruder, so dass der Matrose die verbleibende Strecke mit den Händen zurücklegte.

An Bord des Kriegsschiffs bestätigte der Kapitän, dass er aus England den Befehl habe, sie als Nazi-Spionin zu verhaften. Sie wurde intensiv verhört, aber sehr zuvorkommend behandelt. Sie war ungläubig und sagte dem Hauptmann, dass sie Jüdin sei, ein Mitglied der bekannten und angesehenen Familie Rothschild, sie sei die letzten Monate im Krankenhaus gewesen und daher eine höchst unwahrscheinliche Spionin. Sie bekam eine Offizierskabine mit einer bewaffneten Wache vor der Tür. Die Erklärung dafür war, dass das Schiff etwa 500 Mann an Bord hatte und sie es war, die geschützt werden musste. Bei der Befragung nannte Aleece die Namen von Leuten, die für sie bürgen könnten, die der Kapitän England mitteilte. Er war bald überzeugt, dass ein Fehler gemacht worden war, und danach wurde sie als Gast behandelt, aber sie wussten nicht, was sie mit ihr anfangen sollten. Nach mehreren Wochen in diesem Schwebezustand legte das Schiff in Madagaskar an, nur um Aleece von Bord zu nehmen.

In der Zwischenzeit hatte Abe die Quanza getroffen, als sie in Durban anlegte und von Passagieren die Geschichte von Aleeces Verhaftung durch die Royal Navy und ihrer Verlegung auf eines ihrer Schiffe erzählt wurde. Es war Kriegszeit und es waren keine Informationen verfügbar. Zurück in Johannesburg unternahmen Abe und Max verzweifelte Versuche, Aleece aufzuspüren. Abe nahm sogar Kontakt zu einem befreundeten Anwalt auf, der Jan Smuts, den südafrikanischen Premierminister, kannte. Nach wochenlangen Ermittlungen wurde bestätigt, dass Aleece von der Marine entfernt worden war. Dies war die einzige Information, die ihnen gegeben wurde.

Aleece durfte schließlich ein britisches Schiff besteigen, das von Madagaskar nach Durban fuhr. Wie viele Wochen es auch war, seit sie nach Südafrika einreisen sollte, so dass ihr die Einreise verweigert wurde, als das Schiff in Durban anlegte – ihr Visum war abgelaufen! Ein Telefonat durfte sie jedoch führen: Sie kontaktierte Bruder Max, der sehr erleichtert war, weil er keine Ahnung hatte, wo sie war und ob sie noch lebte.

Da Aleece dann praktisch kein Visum hatte, musste sie in das Territorium zurückkehren, aus dem sie stammte - portugiesisches Territorium: Also wurde sie auf ein anderes Schiff nach Lourenco Marques gebracht. Dieses Schiff fuhr über East London in Südafrika. Max fuhr dann verzweifelt nach East London, um dieses Schiff zu treffen, in der Hoffnung, sie zu treffen. Er kam an, nur um das Schiff beim Verlassen des Hafens vorzufinden.

Bei der Ankunft in Lourenco Marques, das auf neutralem portugiesischem Territorium lag, war Aleece natürlich ohne Visum für Portugal und es wurde ihr mitgeteilt, dass sie nicht aufgenommen und wahrscheinlich nach Europa zurückgeschickt würde, da weder Südafrika noch Mosambik/Portugal ihr erlauben würden in. Sie flehte sie an, sie nicht zurückzuschicken: Sie sagte den Einwanderungsbeamten der letzten Wochen an Bord des Kriegsschiffs, dass sie sich ins Meer stürzen würde, wenn sie nach Europa zurückgeschickt würde. Die Beamten gaben nach und erlaubten ihr, von Bord zu gehen und im feinen Polana-Hotel untergebracht zu werden, bis ihr ein Visum für Südafrika zur Verfügung gestellt wurde. Sie war enorm erleichtert und dankbar.

Ein weiteres kleineres Problem hatte Aleece in Lourenco Marques: Sie war eine attraktive Frau – attraktiv und allein – das bedeutete, dass die einheimischen Männer sie als legitime Beute betrachteten! Sogar im Speisesaal des Hotels musste ihr Tisch hinter einer Trennwand stehen. Um ihr, der zukünftigen Schwiegermutter von Max, zu helfen, unternahm Esta Austin die Nachtzugfahrt von Johannesburg zur Anstandsdame Aleece. Esta war eine wilde alte Cockney-Lady, die Männer mit Leichtigkeit in Schach halten konnte!

Obwohl Abe sich auf „Freunde berief, die Freunde kannten, die Kabinettsminister kannten“, wurde klar, dass die Einwanderungsbehörden in Südafrika weiterhin die Einreise nach Aleece verweigern würden. Es schien, dass der Verdacht blieb – „Es herrscht Krieg“ – also wurde sie auf die schwarze Liste gesetzt.

Es brauchte einen Plan: Max und Abe beschlossen verzweifelte Maßnahmen, um Aleece in Sicherheit zu bringen. Sie würden Aleece einfach über die Grenzen schmuggeln! Sie planten den Umzug für einen Sonntag, an dem Gerüchten zufolge die Grenzkontrollen lockerer seien. Sie sparten, bettelten und liehen sich Benzinrationen. Sie planten eine Route – da es keine wirkliche Überwachung von Aleece in Lourenco Marques gab, würden sie von Mosambik über Swasiland, das ein britisches Protektorat war, nach Südafrika fahren. Dieser letzte Schritt sollte der Ausschlag geben: Abe arrangierte mit einem Friedensrichter, der in Mbabane, Swasiland, lebte, Abe und Aleece am Sonntagmorgen zu heiraten. Aleece wäre rechtlich Abes Frau. Bruder und zukünftiger Ehemann besprachen den Plan mit Aleece, und sie stimmte verzweifelt zu.

Der Plan war mit vielen Gefahren behaftet. Sie mussten 500 Meilen von Johannesburg nach Lourenco Marques und zurück über schlechte Feldwege fahren – würde das Auto es schaffen? Hatten sie genug Benzin? Max war auch technisch gesehen immer noch ein „feindlicher Außerirdischer“. Die Folgen des Scheiterns wären wahrscheinlich Haft für alle und Abschiebung für Aleece und Max.

Nach einer langen Reise kamen Abe und Max am Samstag, den 9. September 1940 in Lourenco Marques an und mit großer Aufregung wurden Abe, Aleece und Max wieder vereint. Früh am nächsten Morgen fuhren sie zum Grenzposten zwischen Mosambik und Swasiland. Sie versteckten Aleece hinten unter einer Decke und hielten den Atem an, als sie die Grenze erreichten.Ihre Papiere wurden geprüft und sie atmeten erleichtert auf, als ein junger Grenzer sie beiläufig durchwinkte.

Die Komplikationen blieben jedoch bestehen: Als sie das Standesamt in Mbabane erreichten, fanden sie es verschlossen vor! Sie schlugen an die Tür, aber niemand antwortete. Sie befragten die Einheimischen verzweifelt, um den Friedensrichter zu finden. Sie fanden schließlich sein Zuhause, um zu erfahren, dass er seine übliche Sonntagsrunde Golf spiele - er hatte das Arrangement völlig vergessen! Etwas mürrisch wurde er vom Golfplatz weggezerrt, um die Trauung mit einem Passanten als Zeugen durchzuführen. Aleece war nun legal die Frau von Abe Garsh – südafrikanischer Staatsbürger. Abes Reisepass wurde um den Namen seiner neuen Frau ergänzt, dies ist das einzige Dokument, das Aleece hoffentlich die Einreise nach Südafrika ermöglichen würde. An der südafrikanischen Grenze wurde Aleece Garsh problemlos aufgenommen. Es war der 10. September 1940. Die große Tortur war vorbei.

Ironischerweise gab es angesichts all der offiziellen Verdächtigungen gegenüber Aleece nie eine Anfrage von einer Behörde nach dem Aufenthaltsort dieses vermeintlichen „Spions“. Aleece und Abe führten ein wunderbar erfülltes Leben, bekamen zwei Kinder und blieben bis zu Abes Tod 1993 glücklich verheiratet. Aleece lebt noch immer in Johannesburg (Jan. 2006).

Fred und seine Eltern wanderten 1938 aufgrund ihrer dortigen Großfamilie in die USA aus. Mein Großvater war einer von den vielen Juden, die sich für gute Deutsche hielten und irgendein aufstrebender Politiker war keine Gefahr („Ich habe das Eiserne Kreuz für das Vaterland gewonnen“), also blieb er dort. Das war, bis der Mann, der sein bester Freund in dieser Armee des 1. Er sagte ihr, dass er sie in dieser Nacht besuchen würde – spät! Er erschien mit großer Geheimhaltung gegen Mitternacht und sagte ihnen, dass sie nach den Informationen, die er erhielt, sofort gehen müssten. Keine Fragen – gehen Sie einfach – jetzt. Sie taten. Sie packten zusammen, verkauften für wenig Geld ein gutes Geschäft und segelten nach New York und in Sicherheit.

Max, Abe und Fred dienten während des Krieges in den Streitkräften ihrer jeweiligen Länder.
Fred diente später beim US-Justizministerium in Deutschland als Entnazifizierungsbeamter.
Hedwig und Albert überlebten den Krieg versteckt in Vichy-Frankreich.
Max und Irene heirateten 1941 und waren bis zu ihrem Tod 1959 glücklich verheiratet.

Der Autor hat versucht, mehr über diesen Vorfall in den National Archives in Kew herauszufinden, aber es gibt keine Aufzeichnungen über Aleece Rothschild. Es gibt jedoch Aufzeichnungen über das Schiff, die Quanza, das auf einer anderen Reise von der Royal Navy angehalten wurde und deutsche Männer, die versuchten, ins Vaterland zurückzukehren, von ihm entfernt wurden. Es gab also Informanten über!

Die Regeln für die Behandlung feindlicher Zivilisten an Bord neutraler Schiffe waren komplex, besagten jedoch im Wesentlichen, dass die Marine neutrale Schiffe auf hoher See entern und feindliche Agenten, Personen, die für die feindlichen Kriegsanstrengungen von Wert sein könnten, und Männer im militärischen Alter entfernen darf. Frauen und Kinder wurden jedoch nicht als Bedrohung angesehen und sollten normalerweise NICHT entfernt werden!

Im Fall von Aleece scheint es, dass Informationen an Großbritannien weitergegeben wurden, dass hier ein möglicher feindlicher Agent von solcher Bedeutung war, dass ein Kriegsschiff der Royal Navy von seiner Patrouille abgelenkt wurde, um sie abzuholen. Warum und wie es dazu kam, bleibt ein Rätsel. Aleece hat es nie herausgefunden.

David Rothschild
London
Januar 2006

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Was geschah in Deutschland 1935 mit den Juden in den Streitkräften? - Geschichte

hHunderte anderer Massaker werden von den Nazis in Russland verübt, d.h. zwischen Juli und Oktober 1941 werden in Bessarabien 148.000 Juden ermordet.

  • 20. Januar: Wannsee-Konferenz in Berlin: Heydrich skizziert Plan zur Ermordung der europäischen Juden.
  • 17. März: Vernichtung beginnt in Belzec bis Ende 1942 600.000 Juden ermordet.
  • Kann: Vernichtung durch Gas beginnt in der Tötungsanstalt Sobibor bis Oktober 1943, 250.000 Juden ermordet.
  • Juni: Jüdische Partisaneneinheiten in den Wäldern Weißrußlands und des Baltikums.
  • 22. Juli: Deutsche errichten Konzentrationslager Treblinka Sommerdeportation von Juden in Tötungszentren aus Belgien, Kroatien, Frankreich, den Niederlanden und Polen bewaffneter Widerstand von Juden in den Ghettos Kletzk, Kremenez, Lachva, Mir und Tuchin.
  • Winter: Deportation von Juden aus Deutschland, Griechenland und Norwegen in Tötungszentren Jüdische Partisanenbewegung in Wäldern bei Lublin organisiert.
  • Januar: Deutsche 6. Armee kapituliert bei Stalingrad
  • März: Auflösung des Krakauer Ghettos
  • April: Das ehemalige Kriegsgefangenenlager Bergen-Belsen steht unter SS-Kontrolle.
  • 19. April: Aufstand im Warschauer Ghetto beginnt, als Deutsche versuchen, 70.000 Einwohner zu liquidieren. Jüdischer Untergrund kämpft bis Anfang Juni gegen Nazis
  • Juni: Himmler ordnet die Auflösung aller Ghettos in Polen und der Sowjetunion an
  • Sommer: Bewaffneter Widerstand von Juden in den Ghettos Bedzin, Bialystok, Czestochowa, Lemberg und Tarnow
  • Herbst: Auflösung großer Ghettos in Minsk, Wilna und Riga
  • 14. Oktober: Bewaffneter Aufstand im Vernichtungslager Sobibor
  • Oktober November: Rettung des dänischen Judentums
  • 19. März: Deutschland besetzt Ungarn.
  • 15. Mai: Nazis beginnen mit der Deportation ungarischer Juden bis zum 27. Juni, 380.000 werden nach Auschwitz geschickt.
  • 6. Juni: D-Day: Invasion der Alliierten in der Normandie.
  • Frühling Sommer: Rote Armee wehrt Nazi-Kräfte ab.
  • 20. Juli: Gruppe deutscher Offiziere versucht, Hitler zu ermorden.
  • 24. Juli: Russen befreien die Tötungsanstalt Majdanek.
  • 7. Oktober: Aufstand von Häftlingen in Auschwitz ein Krematorium gesprengt
  • November: Letzte von Theresienstadt nach Auschwitz deportierte Juden.
  • 8. November: Beginn des Todesmarsches von ca. 40.000 Juden von Budapest nach Österreich.

  • 17. Januar: Evakuierung von Auschwitz Beginn des Todesmarsches
  • 25. Januar: Beginn des Todesmarsches für Stutthofer Häftlinge
  • 6.-10. April: Todesmarsch der Häftlinge von Buchenwald
  • 8. April: Befreiung von Buchenwald.
  • 15. April: Befreiung von Bergen-Belsen.
  • 22. April: Befreiung Sachsenhausens.
  • 23. April: Befreiung von Flossenburg.
  • 29. April: Befreiung Dachaus.
  • 30. April: Hitler begeht Selbstmord, Befreiung Ravensbrücks.
  • 7. Mai: Befreiung von Mauthausen.
  • 8. Mai: V-E Day: Deutschland kapituliert Ende des Dritten Reiches
  • 6. August: Bombardierung von Hiroshima
  • 9. August: Bombardierung von Nagasaki
  • 15. August: V-J Day: Sieg über Japan ausgerufen
  • 2. September: Japan kapituliert Ende des Zweiten Weltkriegs


Revolution

Trotz des Kriegsendes 1918 verbesserten sich die Verhältnisse in Deutschland nicht dramatisch.

Anfangs blockierten alliierte Streitkräfte noch Lieferungen von Lebensmitteln und Hilfsgütern an der Einreise nach Deutschland. Obwohl einige Lebensmittel und Vorräte durchkamen, waren diese spärlich und daher teuer. Der ‘Stab in the Back-Mythos’ nährte extremen Nationalismus, Antisemitismus und Antikommunismus. Die neue Regierung war bei weiten Teilen der Bevölkerung unbeliebt, und manche fühlten sich dem Kaiser noch immer treu ergeben.

Inmitten dieser schwierigen Umstände breiteten sich Ende 1918 und Anfang 1919 gewaltsame Revolutionen in ganz Deutschland aus.

Angesichts dieser Bedrohungen für die neu gegründete demokratische Regierung nutzte Präsident Ebert die deutsche Armee und die Freikorps um die Revolutionen zu vernichten.


Erinnerung an die Kristallnacht, Hitlers letztes Pogrom vor dem Holocaust

Die düsteren Erinnerungen an die Kristallnacht lehren uns, dass es das Schweigen derer ist, die nicht schweigen sollten, die letztendlich zum Ruin führen können.

Ein Archivfoto vom 10. November 1938, das zerbrochene Schaufenster in Berlin einen Tag nach dem Ende des Nazipogroms, der sogenannten Kristallnacht, zeigt. Foto: notionscapital/Flickr, CC BY 2.0

“Das Ende ist näher als du denkst und es ist bereits geschrieben. Wir müssen uns nur noch für den richtigen Zeitpunkt entscheiden, um zu beginnen.”
Alan Moore, V wie Vendetta (1988)

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler als Bundeskanzler vereidigt. Es war ein bedeutsames Ereignis am Ende einer Saison feuriger Rhetorik Hitlers. Seine öffentlichen Reden hatten in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, der Großbritannien und Frankreich zu den überragenden wirtschaftlichen Supermächten Europas gemacht hatte, Wellen der Angst und Unsicherheit unter der deutschen Bevölkerung ausgelöst. Es signalisierte den Triumph des Nationalismus und der nationalistischen Politik – ebenso wie es die von vielen vermutete Ambivalenz in der damals herrschenden Klasse bestätigte. Die Wahlen im Jahr 1932 hatten keine Mehrheitsregierung hervorgebracht, aber Präsident Paul von Hindenburg war von seinen Mitarbeitern überzeugt worden, dass die Ernennung Hitlers zum Kanzler es der Führung ermöglichen würde, in der Arbeiterklasse wieder populär zu werden.

Damit war der NSDAP-Chef an die Macht gekommen. In den folgenden sechs Jahren kam Deutschland an zwei Fronten rasant voran: aus der wirtschaftlichen Depression und hin zur gesellschaftspolitischen Aggression. Ein Großteil von Hitlers Zorn richtete sich gegen die Juden, denen er vorwarf, die Deutschen arbeitslos zu machen, sowie, grob gesagt, Lebensraum (“Wohnraum”). Besonders erfolgreich war er dabei, die Juden ins Fadenkreuz der deutschen Angst und Wut zu bringen. Doch so wie der Reichstagsbrand im Februar 1933 den Aufstieg Nazi-Deutschlands besiegelt hatte, indem er die Nazi-Partei dazu veranlasste, ihre engsten politischen Rivalen zu verhaften und zu schikanieren, brauchte Nazi-Deutschland nur noch eine kleine Provokation, um seinen schwelenden Antisemitismus zu vollenden - ein Massaker und Treibstoff für Hitlers Kriegsmaschinerie. Diese "Gelegenheit" kam am 7. November 1938.

Die Nacht der Glasscherben

An diesem Tag erschoss ein 17-jähriger polnischer Jude namens Herschel Grynszpan einen deutschen Diplomaten namens Ernst vom Rath (der interessanterweise ein Anti-Hitler war). Grynszpan war der Sohn zweier polnischer Einwanderer, die an der Grenze Deutschlands zu Polen ausgesetzt worden waren, weil keine Regierungen die Verantwortung für sie übernehmen wollten, zusammen mit fast 10.000 anderen polnischen Juden. Grynszpan ermordete Rath offenbar, nachdem er von seinen Eltern eine Postkarte über ihre Notlage erhalten hatte und hatte gehofft, dass die ganze Welt seinem ‘Protest’ Beachtung schenken würde. Die Reaktion der NSDAP war jedoch das Pogrom der Reichspogromnacht. Es begann am 9. November – zeitgleich mit dem fünfzehnten Jahrestag von Hitlers erstem großen Machtergreifungsversuch (dem Bierhallen-Putsch) – vor genau 78 Jahren.

Der Name bedeutet ungefähr ‘Crystal Night’, eine Anspielung auf das Brechen von Schaufenstern. Es war ein zweitägiges landesweites Programm, dessen ausdrückliche Absicht es war, allen deutschen Juden zu vermitteln, dass sie einfach nicht dazugehörten – und mit einer “Grobe und Brutalität der Sprache”, für die laut dem Historiker William Shirer der einzige Präzedenzfall war , war die antisemitische Rhetorik Martin Luthers im 16. Jahrhundert. Am 9. und 10. November wurden fast alle deutsch-jüdischen Synagogen, Friedhöfe, Geschäfte, Geschäfte, Hotels, Theater, Schulen, Geschäfte und Wohnungen in Deutschland und Österreich beschädigt oder zerstört Gräber geschändet Bücher, Schriftrollen und andere Artefakte verbrannt fast 3.000 Menschen getötet und über eine Million Juden verhaftet und in Konzentrationslager gebracht.

Aus dem Schatten mästete sich die NSDAP an der Beute, die seit dem Scheitern der Herbstgrün, eine Reihe von Operationen, die im Oktober 1938 zum deutschen Einmarsch in die Tschechoslowakei geführt hätten. Damals hatte Großbritannien interveniert, um einen Frieden auszuhandeln: Im Austausch für mehr Autonomie der Sudetendeutschen in der Tschechoslowakei würde Hitler nicht in den Krieg ziehen. Aber der wahre Grund, warum Hitler zurücktrat, war die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von britischen Ölimporten – und die Bedrohung, was ihre Aussetzung für eine sich selbst militarisierende Wirtschaft bedeuten würde. Als sein Finanzminister war es die Idee von Hermann Göring, stattdessen das Vermögen der Juden des Landes zu beschlagnahmen.

Trotzdem würde es weniger als ein Jahr später Krieg geben, und die Kristallnacht gab einen Eindruck davon, was Hitler – in seinen Augen – bereit war zu tun, um Deutschland wieder groß zu machen. Sein Propagandaminister Joseph Goebbels hatte versucht, das Pogrom als spontanen Ausbruch der deutschen Völker nach Raths Tod zu tarnen, obwohl Dokumente belegen, dass der Chef der Geheimpolizei Heinrich Himmler und sein Stellvertreter Reinhard Heydrich die 8220Ausbrüche” mindestens einen Tag im Voraus.

Aufbau zum Pogrom

Andererseits war angesichts der Absichten Hitlers seit dem Bierhallen-Putsch im Jahr 1923 eine Reichspogromnacht seit seinem Amtsantritt als Kanzler absehbar geblieben. Der erste Schritt war die Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes im März 1933, das es der NSDAP erlaubte, ohne die Unterstützung des Reichstags vier Jahre lang Gesetze zu erlassen, auch solche, die von Teilen der Verfassung abweichen konnten. Infolgedessen hatte Hitler bis 1938 seine politischen Gegner vollständig demontiert, das Amt des Präsidenten abgeschafft und die Führung der deutschen Wehrmacht übernommen.

Die zweite war die aktive Verfolgung der jüdischen Gemeinde, beginnend mit einem Boykott jüdischer Geschäfte, Gelehrsamkeiten und Dienstleistungen im Jahr 1933. Als 1935 die siebte Jahreskundgebung der NSDAP stattfand, hatte Hitler mehrere Exemplare eines neuen Gesetzes im Besitz entworfen, die so weit gehen würde, einen Juden zu definieren und anschließend zu diktieren, welche Bürgerrechte er nicht mehr genießen würde. Tatsächlich heiligten die Nürnberger Gesetze „deutsches Blut“ und schufen einen pseudowissenschaftlichen Rassenunterschied zwischen Deutschen und Juden, der eine Zunahme der Gewalt in der Zivilgesellschaft auslöste. Nach dem Ende der Olympischen Spiele in Berlin 1936 begannen Juden massenhaft ihre Jobs und Positionen zu entlassen – obwohl sie von der Auswanderung abgehalten wurden, weil die neuen Gesetze auch eine hohe „Auswanderungssteuer“ auferlegten.

Goebbels' Erklärung zur Kristallnacht war also klug, weil sie nicht unplausibel war – aber sie hinterließ auch die deutsche und österreichische Gesellschaft zerbrechlicher als sie begonnen hatte. Shirer schreibt in Aufstieg und Fall des Dritten Reiches dass viele Menschen in Deutschland über das Ausmaß und die Intensität der Angriffe sogar entsetzt waren. Gleichzeitig ebnete die zuvorkommende Haltung einst vernünftiger Führer, deren Größengefühl eher populistisch als ideologisch geworden war, den Weg für Hitler, Himmler und Göring, darüber nachzudenken Tötung die Juden. In einer Nacht, der „Nacht der Glasscherben“, konnten ein nationalistischer Führer und seine Partei alle sozialen und wirtschaftlichen Ausreden herstellen, die sie brauchten, um die Macht in wenigen Händen zu konzentrieren.

Aber mehr als die Taten derer, die versuchen werden, das zu zerstören, was wir so lange aufgebaut haben, lehren uns die düsteren Erinnerungen an die Kristallnacht, dass es das Schweigen derer ist, die nicht schweigen sollten, die den Weg ins Verderben ebnen.


Tipps für den Einstieg in eine neue Kultur mit einem OCONUS Move

Veröffentlicht am 29. April 2020 16:09:22

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Seien Sie vom ersten Tag an freundlich zu den Einheimischen, um Ihre neue Kultur und alles, was sie zu bieten hat, vollständig zu erleben. Schließlich weiß man nie, welches lebensverändernde Ereignis Sie vielleicht vorstellen könnte!

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Essen Sie alle Lebensmittel

Tu es! Versuch sie. Bestell Sie. Fragen Sie Restaurantmitarbeiter, was sie empfehlen und ob Sie probieren können. Sie werden nie wissen, welchen neuen Lebensmitteln Sie möglicherweise ausgesetzt sind, und sie auszuprobieren ist der einzige Weg, um herauszufinden, ob Sie einen neuen Favoriten haben.

Wie oft werden Sie die Gelegenheit haben, solch exotische Gerichte zu essen? Wenn Sie sich außerhalb eines Restaurants befinden, fragen Sie andere, was sie dort gegessen und geliebt haben. Erkunden Sie Lebensmittelmärkte und Lebensmittelgeschäfte oder sogar Gerichte der Einheimischen, wenn Sie zum Essen eingeladen werden.

Sag nicht nein

Dies ist am einfachsten zu planen, aber auch am schwierigsten. Wenn Sie einen OCONUS-Umzug planen, sollten Sie alles ausprobieren und alles. Geh und erledige all die Dinge. Alle von ihnen. Wenn uns etwas fremd oder fremd klingt, ist es so einfach, die Situation zu stoppen. Nein zu sagen oder einfach zu planen, nicht zu gehen, hält Sie sicher von der Seltsamkeit des Ganzen ab. Aber es hindert dich auch daran, etwas zu lernen, was du nicht wusstest, vom Testen eines neuen Lebensmittels bis zum Erlernen einer neuen Fertigkeit.

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MÄCHTIGE KULTUR

20. NOVEMBER 1945: Nazi-Führer wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt

Maria Dolezalova, eines der Kinder, die von den Deutschen nach der Zerstörung der tschechischen Stadt Lidice entführt wurden, wird im RuSHA-Prozess am 30. Oktober 1947 als Zeugin der Anklage vereidigt. (United States Holocaust Memorial Museum, Courtesy of Hedwig Wachenheimer Epstein )

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Die NSDAP und ihre Gewalt gegen die Juden 1933-1939: Gewalt als historiographischer Begriff

In seinem Meisterwerk, Ungetüm, erstmals 1942 erschienen, bezeichnete Franz Neumann Gewalt als „nicht nur ein unwichtiges Phänomen im Gefüge der nationalsozialistischen Gesellschaft“. Gewalt, argumentierte Neumann, „ist die Grundlage, auf der die [Nazi-]Gesellschaft ruht.“1 Er betrachtete Gewalt als eine Technik, um die Massen von oben zu beherrschen, und die Ministerialbürokratie, die Streitkräfte, die industrielle und landwirtschaftliche Führung und die Die Nazi-Partei zielte alle darauf ab, die deutsche Gesellschaft durch Gewaltanwendung zu dominieren. Gewalt diente nach Neumanns eigenen Worten der totalitären Kontrolle über die deutsche Gesellschaft. Aus seiner Sicht wurde Gewalt im gesamten Dritten Reich als rationales Instrument der politischen Macht eingesetzt. Damit unterstützte Neumann die grundlegende Einsicht von Max Weber, dass Gewalt in jeder politischen Vereinigung ein unabdingbares Element der Machterhaltung ist.2

Neumanns Annahmen zu den Funktionen der Gewalt für Nazi-Deutschland waren die Grundlage aller historischen Forschungen zu diesem Regime. In der Tat kann kein Zweifel daran bestehen, dass Nazi-Deutschland im Vergleich zu anderen nichtdemokratischen Regimen des 20. Jahrhunderts sogar in auffallendem Ausmaß gewalttätig war Brutalität der Gestapo4 und der SS.5 Während der NS-Zeit standen diese beiden Dienststellen im Zentrum der Gewalt, deren Aktionen sich gegen ihre erklärten Feinde richteten – Kommunisten und Sozialdemokraten, die katholische Kirche, Homosexuelle, sogenannte Zigeuner , und Juden. Die meisten historischen Studien zu dieser Gewalt haben sich auf die Judenverfolgung und später auf den Holocaust konzentriert.6 Dies ist nicht verwunderlich, denn der Holocaust war der Dreh- und Angelpunkt aller Nazi-Politik.

Was die Judenverfolgung zwischen 1933 und 1939 betrifft, so ist über die antijüdische Gewalt der NSDAP, ihre Spaltungen (Gliederungen) und angeschlossene Organisationen (angeschlossene Verbände)).7 Dies ist insofern merkwürdig, als nach der Machtübernahme der Nazis am 30. Januar 1933 Gewalttaten gegen Juden hauptsächlich von Mitgliedern der NSDAP verübt wurden. Es gab auch eine gewisse Kontinuität dieser antijüdischen Gewalt aus der sogenannten „Kampfzeit“ (Kampfzeit) der NSDAP zwischen 1925 und 1932. In dieser Zeit terrorisierte die SA Kommunisten, Sozialdemokraten und Juden als die meisten Wissenschaftler bisher angenommen haben.9 Dirk Walter weist darauf hin, dass antijüdische Gewalt nach dem Ersten Weltkrieg ein weit verbreitetes Phänomen in der deutschen Gesellschaft war.10 Dies galt umso mehr für das Dritte Reich.

In diesem Beitrag wird die antijüdische Gewalt der NSDAP zwischen 1933 und 1939 analysiert. Dabei werden sowohl die Formen als auch die Funktionen von Gewalttaten gegen Juden im Hinblick auf die NSDAP, ihre Gliederungen und Gliederungen als politisches Organ bewertet . In Anlehnung an den Soziologen Heinrich Popitz definiere ich Gewalt als „jede Machthandlung, die zu einer beabsichtigten körperlichen Schädigung anderer führt“. zu einer verminderten gesellschaftlichen Teilhabe.12 Anders als etwa Weber beschränkt Popitz Gewalt nicht auf einen unvermeidlichen Akt des Machterhalts innerhalb von Verbänden. Popitz definiert es als Ausführung von Machthandlungen, die Schmerzen verursachen. Mit dieser Definition ist es möglich, gewalttätige Handlungen von Individuen oder gesellschaftlichen Gruppen, die in geringem Maße institutionalisiert sind, zu analysieren. Die NSDAP war eigentlich ein politisches Gremium, dessen Integrationskraft im Vergleich zu kommunistischen Parteien gering war.13 Die NSDAP wollte nur eine totalitäre Organisation sein, was aber in Wirklichkeit nie der Fall war.14

Michael Wildt hat einen wichtigen Beitrag zum Thema antijüdische Gewalt im nationalsozialistischen Deutschland im Allgemeinen geleistet.15 Seine empirische Analyse evaluiert vor allem antijüdische Gewalt im mittelfränkischen Treuchtlingen und sucht nach den Voraussetzungen für den Zerfall bürgerlicher Werte und Rechtsnormen das zu gewaltsamen Aktionen gegen die Juden führte. Wildt interessiert, wie sich gewalttätige Aktionen gegen Juden ausbreiteten und wie Zuschauer zu Tätern wurden. Ausführlich beschreibt er die verschiedenen Formen gewalttätiger Aktionen gegen die Juden in Treuchtlingen, die vor allem von lokalen SA- und SS-Aktivisten gefördert wurden. Was seinen Fragebogen angeht, bleibt Wildt eher vage, er untersucht auch nicht die Genese von Gewalttaten gegen Juden oder erklärt die Funktionen antijüdischer Gewalt für die NSDAP. Beide Aspekte sind eine Folge von Wildts Versäumnis, antijüdische Gewalt in die Politik der NSDAP einzuordnen. Wildt neigt dazu, die NSDAP als eine monolithische Einheit zu behandeln, die fast automatisch antijüdische Gewalt fördert, und die Funktionen dieser Gewalttaten innerhalb der Partei selbst zu vernachlässigen. Es ist jedoch unerlässlich, sowohl Formen als auch Funktionen der antijüdischen Gewalt der NSDAP zu analysieren. Andernfalls könnten die funktionalen Aspekte von Gewalt übersehen werden.16

Der Aprilboykott und die Parteirevolution von unten, 1933-1935

Die erste Welle antijüdischer Gewalt durch die NSDAP, ihre Gliederungen und Gliederungen begann unmittelbar nach den Wahlen vom 5. März 1933. Diese Gewalt war Teil einer breiteren Wirkung auf deutsche Banken, Kaufhäuser und Handelskammern und Handel und gehörte der massiven „Parteirevolution von unten“ an, mit der die NSDAP ihre Metamorphose zum Dritten Reich begann.17 Sie wurde von der NS-Hago (Nationalsozialistische Handwerks-, Handels- und Gewerbe-Organisation), einem radikalen Antisemiten, gefördert Verband der deutschen Mittelschicht. Andere beteiligte NSDAP-Organisationen waren natürlich SA, SS und NSBO ​​(Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation), ein gewerkschaftsähnlicher NS-Verband mit fast 300.000 Mitgliedern, hauptsächlich Angestellten und Arbeitern.18 Nicht zuletzt der BNSDJ (Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen) bemühte sich in der Anfangszeit des Regimes gewaltsam, jüdische Richter und Rechtsanwälte von der Rechtsprechung und Gerichtsbarkeit auszuschließen.19

Die antijüdischen Ausschreitungen vom März 1933 begannen im Ruhrgebiet und breiteten sich sofort im ganzen Reich aus. Überall war die Aufführung die gleiche: Parteiaktivisten und Divisionen marschierten vor jüdischen Geschäften und Betrieben, verteilten Flugblätter mit der Aufschrift „Deutsche, kauft nicht in jüdischen Geschäften“ und fotografierten „arische“ Kunden.20 SA-Aktivisten brachen zusammen in jüdische Unterkünfte, führten „Hausdurchsuchungen“ durch, misshandelten Juden und verhafteten sie. Es gab auch Morde. In Straubing, Bayern, wurde am 15. März 1933 ein jüdischer Geschäftsmann von Unbekannten in Uniform erschossen. Nach einem wenige Tage später vom Reichsinnenminister entworfenen Erlass zum Verbot von „Eingriffen in die Wirtschaft“ wurde das gewaltsame Vorgehen der NSDAP gegen die Juden fast vollständig eingestellt. Aber Ende März 1933 wurde die antijüdische Gewalt wieder aktiviert. Diesmal beschloss Hitler selbst, einen von der NSDAP zu organisierenden landesweiten Boykott gegen jüdische Unternehmen, Ärzte und Anwälte zu starten.21 Dieser Boykott sollte am Samstagmorgen, dem 1. Kampagne in den USA. Deutsche Juden wurden für die sogenannte jüdische Greuelpropaganda verantwortlich gemacht, indem sie ihre Geschäfte boykottierten. Deshalb hielten Hitler, andere Naziführer und sogar die konservativen Minister die deutschen Juden als Geiseln, um gegen diese „Gräuelpropaganda“ zu „kämpfen“.

Innerhalb der NSDAP wurde der Boykott jüdischer Betriebe und Gewerbebetriebe von einem neuen „Aktionskomitee“ unter Vorsitz der Oberfranken vorbereitet Gauleiter Julius Streicher, ein radikaler Antisemit. Auf regionaler und lokaler Ebene wurde es von anderen „Aktionskomitees“ organisiert, die von den regionalen und lokalen Zweigstellen der NS-Hago geleitet wurden. Sie sollten die gesamte NSDAP, vor allem lokale SA- und SS-Aktivisten, für den Boykott mobilisieren. Am Freitagabend, dem 31. März 1933, hielt die NSDAP im ganzen Reich Massenversammlungen ab, um die Propaganda für diesen Boykott vorzubereiten. Bei diesen Zusammenkünften der NSDAP Hoheitsträger - das Gauleiter, die Bezirksvorsteher (Kreisleiter) und die lokalen Führer (Ortsgruppenleiter). Dies war von großer Bedeutung für den Erfolg des Boykotts. Der Boykott zielte in erster Linie darauf ab, im Ausland zu demonstrieren, dass „deutsche Leute“ gegen die Juden seien, aber „legal“ gegen sie vorgingen. Den Parteiaktivisten wurde befohlen, nicht gewalttätig zu sein.

Der Boykott begann im ganzen Reich am Morgen des 1. April 1933 um 10 Uhr. SA- und SS-Aktivisten blockierten die Zugänge zu „jüdischen“ Betrieben, Arztpraxen und Anwaltskanzleien.23 Laut einem Funkspruch des preußischen Innenministeriums griffen die Polizeibehörden nicht ein.24 Trotz der „Aktion“ Komitees“, nicht gewaltsam gegen Juden vorzugehen, misshandelten Parteiaktivisten Juden, beschmierten jüdische Geschäfte mit antisemitischen Graffitis und schlugen die Fenster jüdischer Häuser und Büros ein. Aber in größerem Maße scheint die Boykottaktion den Befehlen von Streichers Aktionskomitee gefolgt zu sein. Infolge der Boykottaktion der NSDAP mussten viele jüdische Geschäfte schließen. Gleichzeitig beschloss Hitler, den Boykott der NSDAP gegen die Juden zu unterbrechen und die Reaktion der ausländischen Presse abzuwarten.25 Am Dienstag, dem 4. April 1933, ordnete er schließlich die Einstellung aller Boykottaktionen an. Die NSDAP war jedoch bereit, ihre Gewalt gegen die Juden wieder aufzunehmen, sollte die Anti-Nazi-Kampagne aus dem Ausland wieder aufgenommen werden.

Der Erfolg des antijüdischen Boykotts vom 1. April 1933 kann nicht ohne Berücksichtigung seiner Ziele festgestellt werden.26 Hitler und die Kabinettsmitglieder wollten die „jüdische Greuelpropaganda“ aus dem Ausland stoppen, indem sie die Juden als Geiseln benutzten. Aus dieser Sicht war der Aprilboykott erfolgreich, weil die Anti-Nazi-Kampagne in den USA und anderen Ländern sofort eingestellt wurde. Darüber hinaus bemühte sich Hitler, die Disziplin der NSDAP wiederherzustellen. Auch dieses Ziel scheint vorübergehend erreicht worden zu sein.

Darüber hinaus hatte die NSDAP ein weiteres Ziel – die deutsche Gesellschaft zum Boykott von Juden und jüdischen Geschäften zu mobilisieren. Die Partei wollte die „Volkswut“ (Volkszörn) gegen Juden durch gewaltsames Handeln und durch Mobilisierung der Massen zu antijüdischen Aktionen.27 Gewalt sollte als Propagandamittel dienen. Damit setzte die Partei auch ihre Taktik von der Kampfzeit Nach verschiedenen Berichten der staatlichen Verwaltung und der Polizei scheiterten diese Bemühungen jedoch.28

Nach dem Boykott vom 1. April lösten die NSDAP, ihre Divisionen und angegliederten Organisationen bald eine neue Welle der Gewalt gegen die Juden aus, die von Wissenschaftlern, die die antijüdische Politik des Dritten Reiches bewerteten, oft vernachlässigt wurde.29 Diese Gewalt resultierte aus der „Koordination“ (Gleichschaltung) der Vereine vom April/Mai 1933.30 Sie zielte auf eine totale Absonderung der Juden von ihrem sozialen Umfeld ab. Überall das Gleichschaltung ging den gleichen Weg: NSDAP-Aktivisten und Parteilose zwangen die Vorstände der Verbände zum Rückzug, übernahmen persönlich die Macht und führten die Führerprinzip der NSDAP. Dann wurde ein „Arierparagraph“ installiert und alle Juden und sogar „Nichtarier“ ausgewiesen. Die bedeutendsten Organisationen, die diesem Verfahren folgen mussten, waren die Gewerkschaften, die Handelsligen und die Arbeitgeberverbände, die in Robert Leys DAF (Deutsche Arbeitsfront) eingegliedert wurden.31 Die Jugend-, Frauen- und Lehrerverbände, die Ligen für Das gleiche Schicksal erlitten auch die im Ausland lebenden Deutschen und die Sportvereine.32 Häufig versuchten Vorstände, ihre eigenen Vereine daran zu „hindern“. Gleichschaltung durch persönliche Vorstellung der Führerprinzip und den „arischen Paragraphen“ hinein. Nach 1933 war dieser Prozess weit verbreitet. Es drückte die Sehnsucht der deutschen Bevölkerung nach „nationaler Einheit“ aus, die von Hitler und der NSDAP erfüllt werden sollte.

In Bezug auf die Juden sind die Folgen der Gleichschaltung von Vereinen der NSDAP und von „Normaldeutschen“ schien ernst zu sein, obwohl weitere Forschungen erforderlich sind.33 Dadurch wurden viele Juden und „Nichtarier“ von ihren Freunden und aus dem früheren Bekanntenkreis isoliert.34 Es ist überraschend, dass die meisten regionalen Berichte zur Geschichte Nazi-Deutschlands dieses Thema der sozialen Isolierung der Juden durch „Koordinierung“ ehemals pluralistischer Vereinigungen nicht analysieren. Weder das Bayern-Projekt von Martin Broszat noch der fruchtbare Bericht über das Saargebiet von Gerhard Paul und Klaus-Michael Mallmann haben diese Taten bewertet, mit denen die NSDAP die Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe für Juden und sogar „Nichtarier“ verringerte.35 Most Lokale Studien zur Geschichte des Dritten Reiches schweigen zu diesem Thema, mit Ausnahme des meisterhaften Buches von Lawrence D. Stokes über Gleichschaltung in Eutin und die Studien von William Sheridan Allen und Rudy Koshar.36 Dies scheint mit der latenten apologetischen Tradition der meisten dieser Local Studies verbunden zu sein, die den Nationalsozialismus und die NSDAP oft als Phänomene beschreiben, die idyllische Dörfer wie Eutin aus ohne. Was die Gewalt gegen Juden angeht, so dient dies oft der Entlastung der in diesen Dörfern lebenden „einfachen Deutschen“.

Während die NSDAP die deutsche Gesellschaft „koordinierte“ und die Juden aus den „koordinierten“ Vereinen ausschloss, ging auch ihre antijüdische Boykottpropaganda weiter. In Wirklichkeit hörten die Boykotte jüdischer Geschäfte nach dem 1. April 1933 nie auf. 1934 wurde die Boykottpropaganda der NSDAP hauptsächlich von lokalen Aktivisten der NS-Hago organisiert.37 Einer der intensivsten Boykotte gegen jüdische Geschäfte fand am Samstag, 24. März 1934, als die NS-Hago versuchte, die am Tag vor dem Palmsonntag erwarteten Last-Minute-Einkäufe zu stören.38 Im Allgemeinen sahen NS-Hago-Aktivisten, meist Geschäftsinhaber, Händler oder Fabrikanten, die Juden als Konkurrenten und bemühten sich sie aus ihrem Geschäft zu drängen, um ihren eigenen Gewinn zu maximieren. Sie beschuldigten jüdische Geschäftsinhaber öffentlich, Artikel von minderer Qualität zu verkaufen, zwangen Lieferanten zum Boykott von Juden und denunzierten jüdische Geschäftsinhaber wegen „unfairer Geschäftspolitik“. NS-Hago-Mitglieder versuchten, „Volkswut“ gegen die Juden zu schüren, um die Kunden zu ermutigen, nicht mehr in jüdischen Geschäften einzukaufen.39 Dazu kooperierten sie sogar mit den örtlichen Aktivisten der SA und der SS, die Straßenkundgebungen organisierten gegen jüdische Geschäfte, mißhandelte und erpresste jüdische Händler und beschmierte Betriebe mit Hakenkreuzen. Manchmal gingen SA- und SS-Aktivisten nur deshalb gewalttätig gegen die Juden vor, weil sie von NS-Hago-Mitgliedern oder bürgerlichen „arischen“ Geschäftsinhabern bezahlt wurden.

Im Frühjahr 1935 verschärfte sich die Boykottpropaganda der NSDAP gegen jüdische Geschäfte und ihre antijüdische Gewalt erneut. Damit verbunden war eine Kampagne gegen die sogenannten „Reaktionäre“, vor allem die katholische Kirche und den Stahlhelm.40 Damals wollte die NSDAP zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und alle „Staatsfeinde, “ sogar die Juden. Ein ausführlicher Bericht der Sopade, der Organisation der deutschen Exil-Sozialdemokraten, für Juli 1935, verrät viel über die antijüdische Gewalt der Partei:

Berlin. 1. Bericht: Antijüdische Propagandakundgebungen auch außerhalb des Kurfürstendamms waren intensiv. Vor allem in Neukölln, Moabit und Pankow wurden viele Schaufenster beschmiert und mit Geldscheinen beklebt. Auf dem Hermannplatz randalierten Hunderte Menschen vor einer Eiskonditorei. Die Bürgersteige sind überall mit der Aufschrift „Sklave eines Juden“ (Judenknecht) . In Süddeutschland, vor allem in Baden, sind antijüdische Ausschreitungen unter der Führung von Reichsstatthalter Wagner in vollem Gange. Am 4. Juli organisierte der Bezirkshauptmann Mannheim die Kontrolle der jüdischen Geschäfte. Die Kunden wurden belästigt und gedrängt, nicht bei Juden einzukaufen. Das Mannheimer Hallenbad, das wegen seines jüdischen Sponsors „Herschelpool“ genannt wurde, wurde arisiert. Ab dem 10. Juli ist es Nichtariern verboten, es zu benutzen.41

Diese von der NSDAP angezettelte Gewaltwelle gegen Juden ähnelte dem Aprilboykott 1933, aber es gab auch einige neue bemerkenswerte Komponenten.42 Nun war in kleinen Städten und Dörfern die Anwesenheit von Juden nicht mehr erlaubt.Die NSDAP erniedrigte öffentlich Juden, verprügelte und spuckte sie an. Manchmal schnitten Parteiaktivisten orthodoxen Juden die Bärte und rasierten die Köpfe. Diese Gewalt hatte nichts mit der Abschaffung der jüdischen Geschäfte zu tun. Es zielte darauf ab, Juden zu verletzen, sie zu demütigen und von öffentlichen Plätzen zu vertreiben. Im Sommer 1935 hatte die NSDAP ihr Repertoire an antijüdischer Gewalt erheblich erweitert.

Was die Ausschreitungen gegen die Juden in diesem Sommer anbelangte, war das Hauptziel der NSDAP, eine antijüdische Gesetzgebung in der Wirtschaft voranzutreiben. Dies wurde deutlich, als Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht am 20. August 1935 zu einer Konferenz zur Beendigung der Ausschreitungen der NSDAP aufrief.43 Auf dieser Konferenz wurde der Vertreter der Parteiführung, Oberbayern Gauleiter Adolf Wagner, forderte die sofortige „Lösung der Judenfrage“. Er schlug vor, Juden von öffentlichen Aufträgen zu verbieten und ihnen die Gründung von Unternehmen und Betrieben zu verbieten. Obwohl Schacht Wagners Vorschlägen zustimmte, ging die Gewalt der NSDAP gegen die Juden weiter. Zu dieser Zeit waren Juden aus dem Ausland, die im Dritten Reich Geschäfte machten, das Hauptziel der NSDAP. Im August/September 1935 schickte das Auswärtige Amt zahlreiche Beschwerden gegen Parteiaktivisten an Stellvertretende Führer Rudolf Hess forderte ein Ende der Misshandlung ausländischer Juden in Deutschland, um weitere Störungen der internationalen Beziehungen zu vermeiden.44 Um die NSDAP-Aktivisten zu besänftigen, ermutigte Hess Hitler zum Handeln. In seiner Abschlussrede auf dem Nürnberger Parteitag am 15. September 1935 kündigte Hitler die „Nürnberger Gesetze“ an, die den Juden die Staatsbürgerschaft entzogen und ihre faktische Eliminierung aus dem gesellschaftlichen Leben im nationalsozialistischen Deutschland zum Ziel hatten.45

Parteibürokratie und Gewalt gegen die Juden, 1936-1937

Nach dem Parteitag 1935 konzentrierte sich die antijüdische Gewalt der NSDAP auf den Ausschluss der Juden aus dem Wirtschaftsleben. Diese Bemühungen umfassten die Zerstörung der sogenannten „Jüdischen Wirtschaft“ und die „Arisierung“ jüdischer Betriebe und Betriebe.46 Beide Bemühungen wurden in erster Linie von Funktionären der NSDAP durchgeführt. Die Gauleiter und deren Mitarbeiter, insbesondere die Gau-Wirtschaftsberater (Gauwirtschaftsberater), versuchten allgemein, die „Entjudung“ zu koordinieren (Entjudung) der Wirtschaft.47

Die Gau Wirtschaftsberater kümmerten sich um die Verteilung der Beute der „Arisierung“ an die „alten Kämpfer“ (Alte Kämpfer) und an untergeordnete Parteifunktionäre. Sie kommunizierten auch mit der Ministerialbürokratie, um die illegalen Akte der „Arisierung“ der NSDAP post-facto zu legalisieren. Ab November 1937 führten sie für das Reichswirtschaftsministerium Listen darüber, welche Betriebe als „jüdisch“ gelten. Die Partei Gau Die Bürokratie war dafür verantwortlich, die radikale antijüdische Gewalt in den unteren Rängen der Partei zu „mäßigen“, aber in Wirklichkeit förderte sie diese Gewalt, um Druck auf die staatlichen Behörden auszuüben, um eine antijüdische Gesetzgebung voranzubringen. Zum Beispiel im Herbst 1937 die Gau Wirtschaftsberater organisierten eine Kampagne gegen jüdische Agenten, Wanderhandel und Handelsagenturen und drängten Unternehmen, jüdische Agenten zu entlassen. In Unternehmen in jüdischem Besitz setzten sie oft Firmenspione ein, um Geschäftsvorgänge zu kontrollieren. Die Gau Wirtschaftsberater strebten auch danach, Juden und „Nichtarier“ von Devisengeschäften und der Devisenkontrolle im Allgemeinen auszuschließen. Alles in allem versuchten sie, die jüdische Geschäftstätigkeit so weit wie möglich einzuschränken.

Auch innerhalb der NSDAP waren die Bezirksvorsteher und ihre Mitarbeiter ein wesentlicher Bestandteil der antijüdischen Gewalt.48 Sie koordinierten die Gewalt gegen die Juden innerhalb der Parteibürokratie, hielten Kontakt zu unteren NSDAP-Ebenen und setzten die antisemitischen Anordnungen der NSDAP um das Gau Mitarbeiter. Die Bezirksvorsteher ermutigten zu Denunziationen von Parteifunktionären und der Bevölkerung im Hinblick auf den „Beziehungen zu Juden“. Sie waren die wichtigsten Informanten der NSDAP für die regionale Gestapo und konnten sogar die „Schutzhaft“ besorgen.49 Die Kreiswirtschaftsberater (Kreiswirtschaftsberater) fungierten vor allem als Exekutivorgane der Gau-Wirtschaftsberater, waren aber die wichtigsten Informanten, wenn es um jüdische Geschäfte ging. Im Bemühen, jüdische Unternehmen und Geschäfte zu boykottieren, haben die Bezirksvorsitzenden der NS-Frauenorganisation (Kreisfrauenschaftsleiterinnen) spielte ebenfalls eine wesentliche Rolle. Zwei ihrer Hauptziele waren die „Erziehung“ deutscher Frauen, nicht in jüdischen Geschäften einzukaufen oder sich nicht mit Juden zu „beziehen“.50

Die Bezirksvorsteher und ihre Funktionäre koordinierten die „Volkswut“ der NSDAP gegen Juden. Sie führten Propagandakampagnen in der Presse durch, riefen Divisionen und angeschlossene Organisationen zu Parteiparaden und Kundgebungen gegen die Juden auf und versorgten diese Parteigruppen mit detaillierten Zeitplänen für Propagandatreffen und Gewaltaktionen.

In gewisser Weise waren diese lokalen Führer der Kern der Gewalt der NSDAP gegen die Juden. Sie mobilisierten den gesamten NSDAP-Apparat auf lokaler Ebene zu Gewalttaten gegen Juden. Reichsweit waren mehr als 20.000 Ortsvorsteher in der Wahrnehmung der Aufgaben der NSDAP tätig.51 Alle waren ehrenamtliche Funktionäre. Sie sammelten Informationen über jüdische Geschäfte, Freizeitaktivitäten und jüdische Vereine und übergaben die Daten an die Bezirksvorsteher.52 Viele Ortsvorsteher waren auch Spitzel des SD (Sicherheitsdienst).53 Sie führten eine Kartei der Haushalte, in der alle Einwohner Nazi-Deutschlands registriert waren. Die lokalen Führer nutzten es, um zu entscheiden, wer als Jude oder sogar als „Nichtarier“ zu gelten hatte.

In den Jahren 1936/37 nahm die antijüdische Gewalt der örtlichen Führer zwei Hauptrichtungen an: Sie zwangen die Vermieter, ihre Mietverträge mit allen Juden und „Nichtariern“ bezüglich Unterkünften und Geschäftsräumen zu brechen, und sie trieben die illegale Identifizierung von Jüdisches Geschäft.54

Die örtlichen Führer beaufsichtigten jedoch nicht nur Gewalttaten gegen Juden. Sie hielten auch die Parteidisziplin aufrecht und „erzogen“ Parteigenossen, um die Juden zu boykottieren. Die lokalen Führer setzten die Gewalt der NSDAP gegen Juden in Kaderaktionen um. Dies zeigt der Sopade-Bericht für Februar 1938:

Laut Gauleiter, waren die örtlichen Zweigstellen verpflichtet, Wachposten zu stellen [um jüdische Unternehmen zu boykottieren – A. N.]. Die Ortsvorsteher appellierten an die Neuzugänge der NSDAP und forderten sie auf, ihre neue Überzeugung zu demonstrieren. Diese neuen Mitglieder standen ab 8 Uhr morgens vor jüdischen Betrieben Wache. bis zum Abend . Die Posten wurden alle drei Stunden gewechselt und mussten sich ehrenhaft verhalten. Einige Parteimitglieder. verschwand mit dem Argument, dass sie zu spät von der Arbeit zurückkehren würden. Es wäre ihnen unmöglich, drei Stunden lang dem Boykott beizuwohnen. In vielen Fällen entließen ihre arischen Chefs sie, ohne ihre Gehälter zu kürzen. In fast allen Fällen wurden die Leute von der Arbeit freigestellt, wenn sie ihre Vorgesetzten informierten und sagten: „Wir müssen uns um den Boykott kümmern.“55

Auf lokaler Ebene wurde die Kaderpolitik auch von den Zellen- und Blockführern umgesetzt (Zellen- und Blockleiter). Diese waren die niedrigsten Ränge innerhalb der NSDAP und hatten Ehrenämter. Mehr als 55.000 Zellenleiter und 205.000 Blockleiter sammelten Daten für die Karteien deutscher Haushalte und versorgten die Ortsleiter mit allen relevanten Informationen. In Bezug auf Juden und „Nichtarier“ waren sich die Blockführer all ihrer Verhaltensmuster bewusst, denn die Kontrolle des Alltags war ihr Hauptziel geworden.56 Diese Funktionäre spielten auch eine große Rolle bei der antijüdischen Gewalt, unterstützten Boykotte, und waren bestrebt, persönlich von „Arisierungen“ zu profitieren. Sie organisierten die sogenannten Block- und Zellensprechabende, die auch die Parteimitglieder zu antijüdischen Aktionen animieren sollten.57 In Bezug auf die „Volkswut“ waren die Zellen- und Blockführer dafür verantwortlich, Parteimitglieder auf lokaler Ebene zu mobilisieren sogenannte Strafexpeditionen (Strafexpeditionen) gegen Juden und sogar gegen „arische“ Menschen, die „mit Juden in Verbindung stehen“.

Zwischen 1936 und 1938 bemühten sich die Funktionäre der NSDAP ständig darum, „Volkswut“ gegen Juden zu schüren. Sie versuchten, die Zahl der Parteimitglieder zu erhöhen, die sich an antijüdischen Aktionen einschließlich Gewalttaten beteiligten. Interessanterweise war die antijüdische Politik der NSDAP in diesen zwei Jahren so effektiv wie nie zuvor. Damit verbunden war die sich ab 1935/36 im Zuge der Konsolidierung des NS-Regimes und der durch Hermann Görings Vierjahresplan-Agentur forcierten wirtschaftlichen Kriegsvorbereitungen sich verschärfende Arbeitsteilung innerhalb der Staatsbürokratie (Vierjahresplanbehörde). Einige NSDAP-Institutionen wie der Gau und die Kreiswirtschaftsberater fungierten als Exekutivorgane des Vierjahresplans. Der zweite Grund für diese verschärfte Arbeitsteilung war der zunehmende parteistaatliche Konsens über die antijüdische Politik, man war sich einig, die Juden durch „legale“ oder gar illegale Enteignungen aus Nazi-Deutschland zu vertreiben. Staat, Partei und später die Polizei machten vor nichts Halt, um dieses Ziel zu erreichen. Ab 1936/37 gab es keinen Unterschied mehr zwischen der körperlichen Schädigung von Juden und der „rechtlichen“ Zerstörung jüdischer Geschäfte.

Das schicksalhafte Jahr - 1938

1938 eskalierte die antijüdische Gewalt der NSDAP beispiellos. Es begann mit dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich am 12. März 1938. Während die deutsche Wehrmacht in Österreich einmarschierte, trat die österreichische NSDAP in Aktion.58 Sie setzte eine einzigartige Welle antijüdischer Gewalt in Gang, die sich direkt gegen die österreichischen Juden richtete .59 „Arisierungen“, Beschlagnahmen, Verhaftungen und körperliche Misshandlungen von Juden waren nun die neue Politik.60 Der terroristische Druck der österreichischen NSDAP, SA- und SS-Aktivisten verursachte eine große Zahl jüdischer Selbstmorde. Von März bis Mai 1938 töteten sich in Wien 219 Juden gegenüber 19 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Doch das Pogrom in Österreich scheint ganz spontan entstanden zu sein. Es war von den österreichischen NSDAP-Führern nicht geplant worden. Aber auch dieses Pogrom hatte eine frühe Geschichte, die mit österreichischem Antisemitismus und Gewalttaten gegen Juden in der autoritären Phase Österreichs von 1934 bis 1938 verbunden war.

Mit dem Anschluss Österreichs begann das „Schicksalsjahr“ für die Juden in Deutschland. Die österreichischen Ereignisse bildeten den Auftakt zur Intensivierung der antijüdischen Politik im sogenannten „Alten Reich“ (Altreich).61 Götz Aly und Susanne Heim haben argumentiert, dass in der nationalsozialistischen antijüdischen Politik ein „Wiener Modell“ entstand, das im „Alten Reich“ und später in den meisten der von den Nazis besetzten Gebiete kopiert wurde. Laut Aly und Heim bestand dieses Modell in einer beabsichtigten Rationalisierung der Wirtschaft durch die Eliminierung praktisch aller „unproduktiven“ jüdischen Geschäfte. Dieses Argument überzeugt jedoch nicht, denn seit 1935 standen die Bemühungen zur Liquidierung der jüdischen Geschäfte im Zentrum der nationalsozialistischen antijüdischen Politik.62 Wenn es ein Wiener Modell gab, dann manifestierte es sich in der Radikalisierung der Gewalt der NSDAP gegen die Juden in das „Alte Reich“. Peter Longerich hat gezeigt, dass die NSDAP im „Alten Reich“ von Juni bis Oktober 1938 eine heftige Gewaltwelle gegen Juden organisierte, die innerhalb der Partei eine Pogromatmosphäre auslöste.63 Am 9. November 1938 kam diese Pogromstimmung zu einem bitteren Kopf.

Entstehung, Ablauf und Folgen der Kristallnacht November 1938 von der NSDAP organisierten Pogrom wurden von vielen Wissenschaftlern beschrieben. Inzwischen gibt es detaillierte Schilderungen über den Entscheidungsprozess innerhalb der Parteielite, die Gewalt nach Anstiftung Kristallnacht, und die Folgen für die antijüdische Politik der Nazis im Allgemeinen.64 Über die lokalen Verfahren und die Reaktionen der deutschen Bevölkerung ist viel bekannt.65 Weit weniger ist über die Täter bekannt, die oft als Alte Kämpfer, oder „Parteiradikale“. Dieter Obst hat darauf hingewiesen, dass die meisten Täter zwar der NSDAP, ihren Gliederungen und Zugehörigkeiten angehörten, die meisten aber erst nach 1933 beigetreten sind!66 Sie waren es auch nicht Alte Kämpfer noch „Parteiradikale“. Sie schienen Personen zu sein, die innerhalb der NSDAP „gebildet“ waren. Bis zu einem gewissen Grad wurden diese Täter durch die Gewalt der NSDAP gegen Juden sozialisiert. Sie waren es gewohnt, Gewalt gegen Juden anzuwenden oder sahen zumindest antijüdische Gewalt als legitimen Akt an.

Die Kristallnacht Pogrom wurde von Hitler und Joseph Goebbels, dem Reichspropagandaminister, Reichspropagandaführer der NSDAP und Gauleiter für Berlin.67 Hitler und Goebbels nutzten die außergewöhnliche Situation aus, die durch das Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath in Paris am 7. November 1938 durch den 17jährigen Herschel Grynszpan entstand. Am nächsten Tag das Nazi-Presseorgan Völkischer Beobachter veröffentlichte einen drohenden Leitartikel gegen die Juden, in dem Grynszpans Attentat verurteilt wurde. Daraufhin organisierten NSDAP-Aktivisten in Kassel und Dessau gewaltsame Ausschreitungen gegen Juden und jüdische Geschäftsinhaber. Am nächsten Tag sollte im ganzen Reich das traditionelle Fest des 9. November gefeiert werden. Wenige Stunden vor Beginn des offiziellen Essens in München erfuhr Goebbels von den Parteiunruhen und erfuhr wenig später vom Tod vom Rath. Goebbels ging zum Abendessen, informierte Hitler über die anhaltenden Parteiunruhen und den Tod des deutschen Diplomaten, und die Führer beschlossen zu handeln. Nachfolgend der entsprechende Auszug aus den Tagebüchern von Goebbels:

Ich melde die Angelegenheit dem Führer. Er beschließt: Demonstrationen [bezogen auf Kassel und Dessau--A. N.] sollte fortgesetzt werden. Die Polizei soll abgezogen werden. Ausnahmsweise sollten die Juden den Volkszorn spüren. Das ist richtig. Ich gebe sofort die notwendigen Anweisungen an die Polizei und die Partei. Dann spreche ich kurz in diesem Sinne an die Parteiführung. Stürmischer Applaus. Alle sind sofort an den Telefonen. Jetzt werden die Leute handeln. Ein paar Faulenzer brechen zusammen. Aber ich erhebe alles. Wir dürfen diesen feigen Mord nicht unbeantwortet lassen. Lass den Dingen ihren Lauf. Die Sturmtruppe Hitler beginnt, München in Ordnung zu bringen. Dies geschieht sofort. Eine Synagoge wird zerstört. Ich versuche es zu retten, bevor es verbrennt. Umsonst.68

Daraus erfahren wir, dass Goebbels nach einem Gespräch mit Hitler sofort der NSDAP in Berlin „befohlen“ und danach mit dem Reich der Partei gesprochen hat und Gau Führer, die dem Treffen beiwohnten.69 Goebbels rief in seiner Rede nicht direkt zu einem Pogrom auf, erwähnte aber offensichtlich die Krawalle in Kassel und Dessau und sprach von Vergeltung. Die Gauleiter wussten, was sie zu tun hatten, und informierten ihre Mitarbeiter, sofort „Volkswut“ gegen die Juden zu organisieren. Von großer Bedeutung war, dass an diesem Abend die NSDAP im ganzen Reich die „traditionellen“ Treffen des 9. November abhielt. Parteiaktivisten feierten gemeinsam und so konnte die gesamte NSDAP mit einem Telefonat mobilisiert werden. Tatsächlich, nach dem Gauleiter aus München ins ganze Reich gerufen hatte, begann die „Volkswut“ gegen die Juden. Infolgedessen war der gesamte Parteiapparat in diesen barbarischen Akt antijüdischer Gewalt verwickelt.

Zwischen dem 9. und 11. November 1938 entstand eine neue Gruppe von Tätern antijüdischer Gewalt – männliche Jugendliche, die in der HJ organisiert waren (Hitlerjugend).70 Gewalt war seit 1933 ein wichtiges Sozialisationsprinzip innerhalb der männlichen HJ.71 Auch HJ-Aktivisten hatten Gewalttaten verübt, vor allem gegen praktizierende Katholiken sowie katholische und evangelische Jugendorganisationen.72 In Danzig richtete sich die HJ-Gewalt gegen Polen .73 Ab 1935 beteiligten sich auch HJ-Aktivisten an der Gewalt der NSDAP gegen Juden und wurden systematisch in organisierte antijüdische Kundgebungen integriert. Darüber hinaus organisierten HJ-Aktivisten ihre eigene Gewalt gegen jüdische Jugendliche und Eigentum, indem sie beispielsweise jüdische Friedhöfe und Synagogen verwüsteten oder die Fenster jüdischer Betriebe und Häuser zerstörten. Rechtlich galten diese Gewalttaten als Jugendkriminalität und wurden vor Jugendgerichten verurteilt. Ab 1936/37 hatte die HJ jedoch gewisse Einflussmöglichkeiten auf die Urteile der Jugendgerichte.74 Ob diese Einflussnahme dazu führte, dass HJ-Aktivisten vom Jugendrecht ausgenommen wurden, soweit antijüdische Gewalt ausgeübt wurde, muss noch untersucht werden betroffen.

Am 9. und 10. November 1938 trugen HJ-Aktivisten in den meisten deutschen Städten und sogar Dörfern dazu bei, Synagogen zu sperren, jüdische Betriebe zu plündern, Juden zu schikanieren und zu erpressen.75 Anders als in der SA wurde diese Gewalt innerhalb der HJ vor allem in Gang gesetzt nach den Äquivalenten der Hauptfächer (Bannführer), Leutnants und Leutnants (Stammführer und Gefolgschaftsführer) und in geringerem Maße von Sergeants (Scharführer). Die Gewalt von HJ-Aktivisten wurde normalerweise von oben angezettelt und zentraler geplant als in der SA.

Die Bedeutung der Befehlskette innerhalb der HJ im Hinblick auf Gewalttaten zeigt sich an den Vorfällen in München am 9. November ganz Bayern. Kurz nachdem er vom Tod von vom Rath erfahren hatte, rief er zu einer „Strafexpedition“ von HJ-Aktivisten auf. Klein organisierte sofort eine „Spezialeinheit“, bestehend aus einigen der verfügbaren HJ-Aktivisten, stürmte in mehr als zwanzig jüdische Wohnungen ein, beraubte die Besitzer ihres Geldes und zwang sie, die Häuser der HJ zu übergeben. Am nächsten Tag wurden diese illegalen Beschlagnahmungen von einem Freund von Klein notariell beglaubigt, der dem HJ ein dreißigjähriges Aufenthaltsrecht gewährte.

Ein paar Wochen später leiteten die NSDAP-Gerichte jedoch ein Verfahren gegen Klein und andere HJ-Aktivisten ein.76 Das abschließende Fazit dieser Parteigerichte war jedoch, dass Klein und die anderen von der HJ zwar eine Straftat begangen hatten, sie aber sei von „anständigen Motiven“ geführt worden. Das Verfahren wurde daher abgewiesen und nicht an die Jugendgerichte übergeben. In den nächsten Wochen werden alle anderen „gesetzlichen Entscheidungen“ zu NSDAP-Aktivisten Kristallnacht Verbrechen wurden ähnlich behandelt.77

Für die deutschen und österreichischen Juden waren die Folgen der Pogromnacht verheerend: Mehr als 680 Juden wurden getötet oder begingen Selbstmord, fast 30.000 wurden in Konzentrationslagern interniert. Fast 200 Synagogen wurden angezündet oder verwüstet und mehr als 7.500 jüdische Betriebe zerstört.78 Dies alles geschah innerhalb von Stunden. Auch wenn dieses Pogrom nicht lange im Voraus geplant war, war dies auch nicht nötig, da die NSDAP seit 1933/34 erhebliche Erfahrungen in der Organisation antijüdischer Gewalt gesammelt hatte. Alles, was die Partei brauchte, war freie Hand, um ein Pogrom gegen die Juden anzuzetteln. Am 9. November 1938 wurde dies von Goebbels und Hitler selbst garantiert. Danach beteiligte sich die gesamte NSDAP auf die eine oder andere Weise an der Kristallnacht Pogrom. Damit erwies sie sich erstmals seit April 1933 als auf Knopfdruck aktivierbare Organisation. Durch eine einzige Anweisung wussten die Parteiaktivisten, was sie zu tun hatten. Insofern war das Pogrom kein unkontrollierter Gewaltausbruch. Es war eine improvisierte, aber gut durchdachte Aktion, die zwei Hauptzielen diente: Juden physisch zu verletzen und ihr Eigentum zu zerstören. Beide Ziele wurden damals selbst von Parteiaktivisten als Voraussetzung gesehen, um Juden zur Auswanderung zu zwingen.

Unmittelbar nach dem Pogrom intensivierten die Ministerialbürokratie und die Gestapo ihre Politik zur Durchsetzung der jüdischen Auswanderung.79 Gleichzeitig trieben diese Institutionen radikale Gesetzesinitiativen voran, die weniger mit der jüdischen Auswanderung zu tun hatten, sondern auf eine totale Trennung zwischen Juden und den „ arische“ Bevölkerung. Es war der „Erfolg“ der NSDAP, diese Radikalisierung in der antijüdischen Politik verursacht zu haben.

Antisemitismus war bis 1938/39 eine notwendige Voraussetzung für jegliche Gewalttaten gegen Juden und in den folgenden Jahren für den Holocaust in ganz Europa. Ohne sie hätte es keine antijüdische Gewalt gegeben. Dieser Antisemitismus war nicht so spezifisch, wie Wissenschaftler normalerweise annehmen. In der deutschen Gesellschaft und in Österreich war Antisemitismus in der Bevölkerung latent und weit verbreitet und beeinflusste später die Täter des Holocaust. Zukünftige Forschung muss der Verbreitung dieses latenten Antisemitismus mehr Aufmerksamkeit schenken und antisemitische Mentalität untersuchen.80 Eine Geschichte antisemitischer Mentalität in Deutschland und Österreich im 19. und 20. Jahrhundert ist dringend erforderlich.81

Formen und Funktionen der antijüdischen Gewalt der NSDAP, 1933-1939

Die antijüdische Gewalt der NSDAP nach 1933 richtete sich auf vier verschiedene Arten von Aktionen: die direkte körperliche Misshandlung von Juden und „Nichtariern“ die Beschädigung jüdischen Eigentums den Boykott jüdischer Unternehmen und die Aneignung jüdischen Besitzes. Formal waren diese Gewalttaten bis zum Ende des NS-Regimes strafbar. Ab 1935/36 gelang es der NSDAP jedoch, die Gewalt gegen die Juden als „Amtspflicht“ ihrer Mitglieder vor Gericht darzustellen. Infolgedessen wurden Gewalttaten gegen Juden von der Rechtsstaatlichkeit ausgenommen.82 Verfahren gegen antijüdische Gewalttaten von Mitgliedern der NSDAP, ihrer Gliederungen oder angeschlossener Organisationen wurden entweder eingestellt oder nicht weiterverfolgt Strafgerichte. Ab 1935/36 schalteten sich die Gerichte in Fällen antijüdischer Gewalt nur dann ein, wenn Parteimitglieder jüdische Frauen vergewaltigten. Den Tätern wurde dann nicht Vergewaltigung, sondern „Rassenschande“ vorgeworfen (Rassenschände).83

Die vier Arten der antijüdischen Gewalt der NSDAP hatten vier Funktionen. Erstens sollten Juden und „Nichtarier“ körperlich verletzt werden. Die vorsätzliche Verletzung markierte den zentralen Punkt der Gewalt der NSDAP gegen die Juden. Durch diese gezielte Gewaltanwendung wollte die Partei die Juden nicht nur von der deutschen Gesellschaft isolieren, sondern auch ihre Persönlichkeiten abbauen. Dieses Ziel war den Tätern bewusst, und daher ist dies ein starkes Gegenargument zu den Funktionalisten, die fälschlicherweise die Sinnlosigkeit der antijüdischen Gewalt der NSDAP zu betonen scheinen.84 Gemeint waren Gewalttaten gegen Juden um ihnen körperliche Verletzungen zuzufügen.

Meist wurde diese Gewalt durch Parteimitglieder als „Volkswut“ angezettelt, aber bewusst geplant. In Bezug auf die Opfer nahm sie immer konkrete Formen an. Insofern war die Gewalt der NSDAP gegen Juden nach Webers Definition rational. Sie entstand nicht aus einer systembedingten Radikalisierung oder aus irrationalen Dynamiken. Es erscheint irreführend, das Dritte Reich, wie es die Funktionalisten gerne tun, als ein Machtsystem zu interpretieren, in dem es keine rationale politische Planung gab.85 Im Dritten Reich war die bewusste Umsetzung ideologischer Ziele ein ständiges Phänomen. Die Gewalt der NSDAP gegen die Juden diente beiden Zwecken – der Verwirklichung ideologischer Ziele und der Schaffung einer Massenbasis für die antijüdische Politik im Allgemeinen.

Phänomenologie der Gewalt der NSDAP gegen die Juden (1933-1939)86

Art der gewalttätigen Aktion

Körperliche Misshandlung

Mord, Totschlag, Attentat, Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe Organisieren von Pogromen und „Volkswut“, öffentliche Demütigung (Bärte schneiden und Köpfe scheren), Prügel und Spucken


Zeitleiste von Nazi-Deutschland

Diese Zeitleiste für Nazi-Deutschland umfasst die wichtigsten innerstaatlichen Ereignisse zwischen 1933, als Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, bis zum Jahr des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs – 1939. Von 1933 bis 1934 festigte Hitler seine Macht, sodass er Ende 1934 die oberste Macht in ganz Nazi-Deutschland innehatte .

4. Januar: Papen trifft Hitler im Haus des deutschen Bankiers Kurt von Schroeder.

15. Januar: Bei einer Wahl im Land Lippe erhält die NSDAP 38.000 von 90.000 möglichen Stimmen – 39,6%.

22. Januar: Oskar Hindenburg, Sohn des Präsidenten, und Otto Meissner, Chef des Präsidialamtes, treffen Hitler.

28. Januar: Schleicher tritt als Reichskanzler zurück, als Hindenburg sich weigert, ihm eine weitere Auflösung des Reichstags zu gewähren.

30. Januar: Hitler wird Bundeskanzler von Deutschland

1. Februar: Hitler verkündet seine „Proklamation an das deutsche Volk“ und verspricht Neuwahlen für den 5. März. Hindenburg löste den Reichstag auf.

4. Februar: Ein Dekret „Zum Schutz des deutschen Volkes“ ermächtigt Hitler, politische Versammlungen und die Zeitungen seiner politischen Rivalen zu verbieten.

17. Februar: Göring erlässt ein Dekret, das der Polizei anordnet, „gute Beziehungen“ zu nationalistischen Vereinigungen (SA + SS) aufzunehmen, aber ihre Waffen gegen die Linke frei einzusetzen.

22. Februar: Göring vereint SA, SS und Stahlhelm zu einer einzigen Polizeieinheit.

23. Februar: Die ersten Beschränkungen für homosexuelle Gruppen wurden eingeführt.

27. Februar: Das Reichstagsgebäude wird niedergebrannt.

28. Februar: „Die Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat“ wurde verabschiedet, die zur Aufhebung der Bürgerrechte, zum Verbot der linken Presse und zur Zusammenführung und Verhaftung kommunistischer und sozialistischer Führer führte.

5. März: Reichstagswahlen finden statt. Die Nazis gewannen 288 Sitze (43,9% der Stimmen). Die Deutschnationale Partei gewann 52 Sitze (8 % der Stimmen). Zusammengenommen verschafften dies den Nazis im Reichstag eine Mehrheit.

6. März: Die Zentralen der Kommunistischen und Sozialistischen Partei werden von der Staatspolizei besetzt, ebenso die Zentralen der Gewerkschaften. Auch Verlagsgebäude des linken Flügels wurden besetzt.

9. März: Alle bisher nicht NS-treuen Staaten hatten nun NS-treue Staatsverwaltungen.

13. März: Joseph Goebbels gründet das Reichspropagandaministerium.

15. März: Die deutsche Presse erhält ihre erste Anweisung von Goebbels.

20. März: Himmler kündigt die Errichtung eines Konzentrationslagers in Dachau an.

21. März: Der neu gewählte Reichstag tagt zum ersten Mal.

22. März: Das Innenministerium richtet eine Abteilung für Rassenhygiene ein.

23. März: Das Ermächtigungsgesetz wird vom Reichstag verabschiedet, das Hitler große persönliche Macht verleiht.

28. März: Die ersten offenen Angriffe der SA gegen jüdische Geschäfte ereignen sich. Die Gleichschaltung wurde eingeführt – die gewaltsame Entfernung aller bekannten Gegner der Nazis.

1. April: Ein offizieller eintägiger Boykott jüdischer Geschäfte findet statt. Von den Zeugen Jehovas produzierte Literatur wurde verboten.

7. April: Ein Gesetz zur „Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wird erlassen, das allen Juden und Nichtdeutschen den öffentlichen Dienst verbietet.

26. April: Die Gestapo (Geheimpolizei) wird von Göring gegründet.

1. Mai: Hitler hält seine Rede zum Tag der Deutschen Arbeit.

6. Mai: Die Deutsche Arbeitsfront wird eingeführt, um die Gewerkschaften zu ersetzen.

10. Mai: „Undeutsche“ Bücher wurden öffentlich verbrannt.

19. Mai: Die Reichsregierung übernimmt die Regelung der Arbeitsverträge.

22. Juni: Die Sozialdemokratische Partei wird offiziell verboten.

5. Juli: Alle politischen Parteien außer der NSDAP werden verboten.

14. Juli: Ein „Sterilisationsgesetz zur Verhütung von Erbkrankheiten“ wurde verabschiedet.

20. Juli: Hitler einigt sich mit dem Papsttum auf ein Konkordat.

23. September: Mit den Arbeiten an den ersten Autobahnen wurde begonnen.

14. Oktober: Hitler zieht Nazi-Deutschland aus dem Völkerbund und der Abrüstungskonferenz heraus.

17. November: Die NSDAP hat bei einer Wahl 92% der abgegebenen Stimmen erhalten.

27. November: Kraft durch Freude (Kraft durch Freude) und die Schönheit der Arbeit Organisationen wurden vorgestellt.

1. Dezember: Ein Gesetz wird verabschiedet, das die Einheit von Partei und Staat sichert.

20. Januar: Ein Gesetz „zur Anordnung der Volksarbeit“ wird eingeführt. Am Arbeitsplatz getroffene Entscheidungen wurden zu Gunsten des Managements und gegen die Arbeiter gewichtet.

24. Januar: Alfred Rosenberg wird zum ideologischen Leiter der NSDAP ernannt.

26. Januar: Ein deutsch-polnischer Nichtangriffspakt wird unterzeichnet.

30. Januar: Die Unabhängigkeit der Landesregierungen wird abgeschafft. Das „Gesetz zum Wiederaufbau des Reiches“ wurde verabschiedet.

21. März: „Der Kampf um die Arbeit“ hat begonnen.

20. April: Himmler wird kommissarischer Chef der preußischen Gestapo.

24. April: Ein Volksgerichtshof wird eingerichtet, um Hochverratsdelikte zu behandeln.

17. Juni: Von Papen, Vizekanzler, denunziert, was die NSDAP in Deutschland eingeführt hat.

20. Juni: Die SS wird von der SA unabhängig gemacht und an Himmler übergeben, der zum Reichsführer der SS ernannt wird.

25. Juni: Österreichische Nazis ermorden den österreichischen Bundespräsidenten Engelbert Dollfuß in der Hoffnung, dass die österreichische NSDAP die Kontrolle über das Land übernehmen kann.

26. Juni: Von Papen wird zum deutschen Gesandten in Österreich ernannt.

30. Juni: Die Nacht der langen Messer ereignete sich, als die Führung der SA zusammen mit einigen politischen Feinden Hitlers ausgelöscht wurde.

2. August: Präsident Hindenburg stirbt. Hitler erklärte sich sowohl zum Kanzler als auch zum Präsidenten. Als Reaktion auf die Nacht der langen Messer schworen die Streitkräfte Hitler einen Treueeid. Hjalmar Schacht wurde zum Wirtschaftsminister ernannt.

19. August: In Nazi-Deutschland findet eine Volksabstimmung statt, bei der die Öffentlichkeit gefragt wird, ob sie Hitlers Macht zustimmt. 90 % sagten „ja“.

8. Oktober: Ein Winterhilfsprogramm wurde eingerichtet.

26. Oktober: Eine spezielle Partei-/Regierungsabteilung wird eingerichtet, um sich mit Abtreibungen und Homosexualität zu befassen. In ganz Nazi-Deutschland wurden Homosexuelle festgenommen.

17. März: Die Wehrpflicht wird eingeführt.

26. Juni: Ein Gesetz zur Einführung der Arbeitspflicht wurde eingeführt.

15. September: Das Reichsbürgergesetz (die Nürnberger Gesetze) verbot Juden, deutsche Staatsangehörige zu heiraten.

4. April: Göring wird zum Rohstoffbeauftragten ernannt.

1. August: Beginn der Olympischen Spiele in Berlin.

16. August: Ende der Olympischen Spiele in Berlin.

28. August: Die Massenverhaftung von Zeugen Jehovas beginnt.

9. September: Ein zweiter Vierjahresplan wird eingeführt, um Deutschland autark zu machen.

19. Oktober: Göring wird mit dem Vierjahresplan beauftragt.

1. Dezember: Die Hitlerjugendbewegung wird eine staatliche Organisation. Alle nicht-nazistischen Jugendbewegungen wurden verboten.

13. Dezember: „Lebensborn“ wird gegründet.

10. Februar: Sowohl die Nationalbank als auch das Eisenbahnsystem werden dem Staat unterstellt.

9. März: Die Massenverhaftungen von „Gewohnheitskriminellen“ beginnen.

19. Januar: Der Verein „Faith and Beauty“ wurde für Frauen zwischen 17 und 21 Jahren gegründet.

22. April: Die Beschäftigung von Juden in Unternehmen wurde verboten.

9. November: Kristallnacht – Nacht des zerbrochenen Glases.

3. Dezember: Der Beginn der Schließung aller jüdischen Geschäfte erfolgte zusammen mit ihrem Zwangsverkauf an „Arier“.


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